Neocomp : Europaweit einzigartiges Verwertungsverfahren für Rotorblätter

Die Frage nach Verwertungskapazitäten für Glasfaserverbundkunststoffe (GFK) beschäftigt die Betreiber, Produzenten, Entsorger und nicht zuletzt die Medien seit Jahren. Die Veröffentlichung des vom Umweltbundesamt in Auftrag gegebenen, Abschlussberichtes „Entwicklung eines Konzepts und Maßnahmen für einen ressourcensichernden Rückbau von Windenergieanlagen“ setzt diese Diskussion aktuell fort.

Von den gegenwärtig ca. 28.000 installierten Windenergieanlagen in Deutschland werden mit Ende 2020 ca. 5.200 WEA nach 20-jähriger Betriebsdauer aus der EEG Vergütung laufen. Ein Recyclingstau bei GFK Abfällen, so die Sichtweise von neowa, wird durch folgende Überlegungen entschärft: Auch nach dem Förderzeitraum können WEA unter bestimmten Umständen weiterbetrieben werden. Des Weiteren werden WEA abgebaut uns ins Ausland verkauft oder zwar stillgelegt, aber nicht unmittelbar zurückgebaut.

Dennoch stellt auch der zeitlich versetzte Rückbau von WEA die gesamte Prozess - kette für einen qualifizierten Rückbau, von der Planung über den selektiven Rückbau und die Demontage der Anlagenkomponenten sowie den Abtransport der Entsorgungsmassen (Beton, Stahl) bis zur letztendlichen Verwertung aller Komponenten, die etablierten Dienstleister vor große Herausforderungen.

„We design waste“ ist der Ursprung und das Selbstverständnis der neowa GmbH, in der das Recycling von Faserverbundwerkstoffen von Beginn an einen hohen Stellenwert besaß. 2015 erfolgte die Gründung der neocomp GmbH in Bremen mit der Nehlsen Gruppe.
In der neocomp werden Betreiber- und Verarbeitungskompetenzen für die Entsorgung von Produktions- und End-oflife- Abfällen wie auch dem Rotorblattbruch gebündelt und GFK Abfälle zu 100% thermisch und stofflich verwertet. Dabei wird aus den GFK-Abfällen in einem innovativen Recyclingverfahren ein hochwertiges Substitut für die Zementindustrie gewonnen. Der GFK Ersatzstoff verbrennt in einem Hochtemperaturofen bei einer Hitze von 950 bis 1500 Grad Celsius. Dabei liefert das Verbundmaterial je Tonne 15 Megajoule Energie. Verbrannt werden jedoch nur die Kunststoffe. Die Glasfasern, die nicht verbrennen, sind in der Asche enthalten.
Die anfallende Asche, die vom Volumen her nur noch ungefähr 60 Prozent des Ausgangsmaterials ausmacht, wird dann als Ersatz für andere Zuschlagsstoffe wie Sand in der Zementindustrie eingesetzt.

Ergänzt und begleitet wurde dieser Entwicklungsschritt mit der Einführung des „Fibreglass Recycling Europe“ Angebotes, das für das Sammeln, Transportieren und rückstandslose Verwerten von GFK-Abfällen steht und deutsche sowie europäische Bedarfsträger anspricht. Das Verständnis, hochqualifizierte Verwertungslösungen zu generieren, forcierte auch weitergehende Entwicklungs-Aktivitäten, die Zusammenarbeit mit Universitäten und Fachhochschulen sowie mit Industriepartnern im In- und Ausland. Für umfassende Versuchsreihen verfügt die neowa GmbH über ein Technikum in Würzburg, das für eine Vielzahl stofflicher Aufgabenstellungen unverzichtbare Daten zur Verfügung stellt. Für diese gebündelten Aktivitäten erhielt neowa den GreenTech Awards 2017 für eine „echte Lösung“, wie es in der Laudatio hieß – zwei Jahre nach Aufnahme des operativen Geschäftes.

Ausreichende Kapazitäten
In der neocomp GmbH werden aktuell im Zwei-Schicht-Betrieb 30.000 to Abfälle pro Jahr verarbeitet. GFK Abfälle sind hier zu 50% enthalten. Die Verarbeitungskapazität kann über den Aufbau einer dritten Schicht kurzfristig auf 40.000 Jahrestonnen ausgebaut werden. Die neocomp verfügt über eine Genehmigung zur Verarbeitung von bis zu 85.000 to pro Jahr. Um diesen Mengenhub zu gewährleisten, ist jedoch der Aufbau einer zweiten Verarbeitungslinie notwendig. Die damit verbundenen Investitionen können erst getätigt werden, wenn das reale Mengenszenario „End-of-Life“ von WEA bekannt ist, entsprechende Lieferverträge mit Kunden geschlossen wurden und der Rechtsrahmen fixiert ist.

Das wiederum führt uns zu einem weiteren Engagement: Der Wunsch nach Standards!
Wettbewerb und technologischer Fortschritt sind nach wie vor die wichtigsten Herausforderungen, denen wir uns zu stellen haben. Gleichwohl hat uns die jüngste Vergangenheit gelehrt, dass „wildwest-ähnliche Entsorgungsgebaren“ einiger weniger, den Ruf aller in der Branche verantwortungsbewusst tätigen Akteure nachhaltig schaden können und eine weitere Unwägbarkeit darstellen. Wirtschaftlichkeit umfasst weit mehr als nur einen niedrigen Preis, davon ist Frank J. Kroll, Geschäftsführer der neowa und der neocomp, überzeugt. In einer verantwortungsvollen gesamtwirtschaftlichen Betrachtung fließen Dimensionen wie Rechtssicherheit, Arbeitsschutz, Nachhaltigkeit sowie Wirtschaftlichkeit ebenso und gleichwertig in eine solide Bewertung ein. Damit werden Rückbauleistungen endlich
vergleichbar. Aber auch die immer noch existenten
Informationslücken bei kommunalen Entscheidern,
Planungsbüros, Abbruch-Unternehmen, Entsorgern oder Eigentümern hinsichtlich technischer Möglichkeiten wie auch einer umfassenden Bewertung von realistischen Rückbaukosten stellt die Branche immer wieder vor neue Herausforderungen.

RDRWind e.V.
Nicht zuletzt diese Erfahrungen haben die neowa motiviert, sich als Co-Gründer der Industrievereinigung RDRWind e.V. zu engagieren, die sich dem Repowering, der Demontage und dem Recycling verschrieben hat und Branchen-Standards für den nachhaltigen Rückbau von Windenergieanlagen etabliert.
Die Mitgliederstruktur des RDRWind e.V. besteht aus Fachbetrieben und Instituten, die den Stand der Technik für den Rückbau von WEA in der DIN SPEC 4866 dokumentieren. Das Arbeitsergebnis wird im April 2020 veröffentlicht.

Frank J. Kroll :
“In fester Überzeugung, dem Gedanken des Kreislaufwirtschaftsgesetzes mit unseren Anstrengungen zu entsprechen, wissen wir trotzdem, dass der „volle Kreis“ noch nicht geschlossen ist. Ressourcenschonende Wieder- und Weiterverwertungen von Faser und Matrix müssen das Ziel all unserer zukünftigen Anstrengungen bleiben. Diese Verwertungslösungen müssen in großindustriellen Anwendungen (auch wenn diese Rahmenbedingung gegenwärtig wenig Anhänger hat) gerade unter Berücksichtigung betriebswirtschaftlicher Sinnhaftigkeit umsetzbar sein. Gleichwohl haben wir mit dem von uns entwickelten trocken mechanischen Verfahren zur stofflichen Verwertung die derzeit erfolgreichste Lösung im Markt platziert. An den unseres Erachtens fehlenden 25% zum Schließen eines stabilen Kreislaufs arbeiten wir mit der gleichen Begeisterung, Konzentration und Akribie, die uns bis hierher geführt haben.“

Quelle: Windkraft Journal & natürliche Energie / Ausgabe 01/20 / www.windkraft-journal.de

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